Offener Brief an den Bundesrat Alain Berset

12.1.2021

Herr Bundesrat Alain Berset
Eidgenössisches Departement des Innern Bundeshaus, 3003 Bern
Bern, den 9. Januar 2021

Offener Brief an den Bundesrat Alain Berset

 Im Namen des Verbands Coiffure Suisse, dem Vertreter der Arbeitgeber in der Coiffeurbranche, wenden wir uns an Sie mit der Bitte, unsere Branche von der von Ihnen angekündigten eventuellen Schliessung der Läden auszunehmen.

Die Erfahrungen der ersten Welle müssen von den Behörden berücksichtigt werden.

Die Coiffeurbranche hat für ihre Angestellten sowie Kunden ein mittlerweile erprobtes Schutzkonzept entwickelt und umgesetzt.

Zudem hat der Verband nach den Lockerungen im Juni trotz starken Drucks diese Schutzmassnahmen weiterhin aufrechterhalten und die Sicherheitsstandards hochgehalten (z.B. Maskenpflicht für alle).

Es ist kein einziger Übertragungsfall nach einem Besuch beim Coiffeur bekannt.

Zahlreiche Aktivitäten mit hohem Übertragungsrisiko sind und bleiben trotz diskutabler und doch abgesegneter Sicherheitsmassnahmen erlaubt …!
Worin unterscheidet sich eine erlaubte von einer unerlaubten Aktivität, wenn doch bei beiden ein sozialer Kontakt hergestellt wird und ein Schutzkonzept besteht? Ist eine bereits ihre Seriosität unter Beweis gestellt Aktivität weniger wert als eine andere? Oder kommen andere wichtigere Faktoren bei diesem Entscheid zum Tragen?
Natürlich verstehen wir Ihre Aussage, Herr Berset, dass die Situation nicht gut ist und widersprechen dem auch nicht. Aber ist es notwendig, Öl ins Feuer zu giessen, indem Sie die Coiffeursalons schliessen? Denn unsere Aktivität als Coiffeure ist kein Faktor, der zur Übertragung des Virus beiträgt.

Der Coiffeur ist ein wichtiges Element des sozialen Gefüges und eine moralische Stütze für die Bevölkerung.

Herr Bundesrat, ich bin mir sicher, dass Sie dies verstehen und dass Sie die Coiffeurbranche als für das seelische Gleichgewicht der Menschen, das derzeit auf eine harte Probe gestellt wird, auch als nützlich und hilfreich erachten.

Ich möchte hinzufügen, dass die Erfahrungen aus der ersten Welle gezeigt haben, dass zahlreiche Kunden «kaschierte» Coiffeur-Dienstleistungen in Anspruch genommen haben und dass dies, wenn es wieder der Fall sein sollte, unkontrollierbare sanitäre Risiken und Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Die Coiffeure/sen sind für das Seelenheil der Menschen unabdingbar und haben ihr Verantwortungsbewusstsein mit einem seriösen Schutzplan für die ganze Branche unter Beweis gestellt.

Eine zweite Schliessung wäre eine Tragödie.

Uns am Arbeiten zu hindern hiesse, eine ganze Branche, die einen zweiten «Lockdown» nicht überleben würde, auszulöschen. Viele Unternehmen unserer Branche sind bereits nach der ersten Welle in Konkurs gegangen oder stehen kurz davor, weitere sind bereits überschuldet. Eine zweite Schliessung wäre für die über 26'000 in dieser Branche tätigen Menschen eine Tragödie.
Herr Bundesrat, wir bitten Sie folglich, die oben aufgeführten Argumente bei Ihrem Entscheid bezüglich weiterer Massnahmen zu berücksichtigen und die Coiffeursalons offen zu lassen, um Arbeitsplätze, Unternehmen sowie auch das Seelenheil der Menschen zu retten.
In der Hoffnung, dass Ihr Entscheid für unsere Branche positiv ausfällt, verbleibe ich im Namen des Verbands Coiffure Suisse mit hochachtungsvollen Grüssen und stehe Ihnen für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Damien Ojetti, Zentralpräsident Coiffure Suisse